Neckenmarkter Fahnenschwingen

Neckenmarkt
Fahnenschwingen vor der Pfarrkirche Das Brauchtum lockt alljährlich viele Besucher Gruppenfoto mit Fähnrichmädchen

Neckenmarkter Fahnenschwingen

Neckenmarkt

Das traditionelle Neckenmarkter Fahnenschwingen wird seit Jahrhunderten am „Tag der Fahne“ am „Umgangssonntag“, dem Sonntag nach dem Fronleichnamsfest, abgehalten. 2018 wurde das Neckenmarkter Fahnenschwingen in die nationale Liste der UNESCO als immaterielles Kulturerbe aufgenommen.

Das Wissen um die Durchführung (Sprüche, Technik des Schwingens, Rollenverteilung, etc.) wird innerhalb der verantwortlichen Burschenschaft in der Gemeinde von einer Generation an die nächste weitergegeben. Alljährlich wird aus der Runde der Burschen, das sind die unverheirateten Männer des Ortes, ein Fähnrich gewählt. Dieser wird am Umgangssonntag die festlich aufgeputzte Fahne nach einem genau vorgegebenen Ablauf viele Male über den Tag verteilt schwingen. Der Fähnrich bestimmt sein Fähnrichmädchen, dem mit dem Aufputzen der Fahne, gemeinsam mit der Fahnenpatin, eine wichtige Aufgabe zukommt. Das Schwingen der Fahne verlangt die richtige Technik und Geschick und wird in den Wochen vor den Feierlichkeiten geübt.

Das Zerimoniell beginnt bereits am Vortag vor dem Umgangssonntag. Aus dem Wald wird ein „Burschenbaum“ geholt, entrindet, aufgeputzt und mit Beteiligung der Bewohner*innen Neckenmarkts am Dorfplatz aufgestellt wird. Das Aufstellen des ca. 37 m hohen Baumes mit althergebrachten, einfachen Mitteln (Holzstangen, Leitern und Seilen) ist ein kräfteraubendes und nicht ungefährliches Unterfangen.

Am Umgangsonntag stehen dem Fähnrich sechs einfache Uniformierte, zwei Wachtmeister und ein Kommandant in altungarischen Hajduken-Uniformen, dazu zwei Kellner mit Krügen und zwei Sterzträger zur Seite. Jede Rolle zeichnet sich durch besondere Aufgaben und historische Bekleidung aus. Der Kommandant führt beispielweise einen historischen Säbel und als besonderen Schmuck die „Kartusche“, eine kleine silberne Tasche der Kavallerieoffiziere mit dem vergoldeten „E“ der Esterhazy.

Der Brauch des Fahnenschwingens erinnert an die Schlacht von Lackenbach (1620) und den heldenhaften Einsatz der Bevölkerung gegen die Siebenbürgischen Reitertruppen. Der kaisertreue Grundherr Nikolaus Esterházy war damals in seinem Schloss von einer übermächtigen Heerschar des ungarischen Aufständischen Gabor Bethlen eingekesselt worden. Die Neckenmarkter Bauern und Bürger zogen nach Lackenbach und stemmten sich gegen die Magyaren. Nach ihrem Sieg bekam Esterházy vom Kaiser den Besitz der Aufständischen übertragen und stieg dadurch vom kleinen Fürsten zum Großgrundbesitzer auf. Als Dank für den rettenden Einsatz der Neckenmarkter verlieh Esterházy 1622 dem Ort das „kaiserliche Privileg der Fahne“.

Die Fahne, die Uniformen und viel Sehenswertes zum Brauchtum des Fahnenschwingens gibt es im Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum zu bestaunen.

Infos & Kontakt

Neckenmarkter Fahnenschwingen
Rathausgasse 1
7311 Neckenmarkt
Österreich

Öffnungszeiten*

Alljährlich am Sonntag nach Fronleichnam

Beginn: 9 Uhr mit der Fronleichnamsprozession

*kurzfristige Änderungen vorbehalten!